Eigentlich wollte ich schon in den letzten Tagen einen Artikel schreiben, der sich mit den Ereignissen rund um den Fußballer Ashkan Dejagah befasst. Nun hab ich es endlich mal angegangen.
Wie der informierte Leser der Medien sicher mitbekommen hat, sagte der Spieler Dejagah die Teilnahme am Spiel der U21 gegen Israel ab. Er führte persönliche Gründe als Grundlage der Entscheidung an. Daraufhin wurde der junge Mann in den Medien zerissen. Von verschiedenen Seiten hieß es:
“Es ist undenkbar und unmöglich, dass ein Nationalspieler einen privaten Judenboykott initiiert” (Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrates der Juden)
“unmöglich und völlig inakzeptabel. Sonst fängt jeder an, sich auszusuchen, gegen wen er noch spielen will” (Friedbert Pflüger, Fraktionsvorsitzende der Berliner CDU)
“BILD meint: Wer ein Länderspiel in Israel aus politischen Gründen absagt, darf nie wieder für Deutschland spielen!” (Bild am 08.10.2007)
Mal gut, dass sich so viele Leute darum kümmern und dass Deutschlands wichtigstes Blatt sich der Sache gewohnt neutral annimmt.
Was dabei hier und da unterschlagen wird: Die genauen Gründe für die Absage sind nicht öffentlich. Natürlich kann es sein, dass Dejagah mit dem Regime im Iran sympathisiert. Natürlich kann es sein, dass Dejagah eine Abneigung gegenüber Israel besitzt. Aber ist es nicht auch möglich, dass er den in Iran lebenden Teil der Familie vor eventuellen Repressionen schützen möchte? Da bringt es auch wenig, wenn Herr Pflüger sagt: “Er ist deutscher Staatsbürger, es würde in Israel alles für seine Sicherheit getan werden.”
Da die genauen Gründe der Öffentlichkeit nicht bekannt sind, soll man den Mann einfach in Ruhe lassen. Seine Entscheidung wurde von den Verantwortlichen, denen er seine Situation ausführlich geschildert hat, akzeptiert. Damit sollte der Fall eigentlich erledigt sein. Stattdessen haben Teile der Gesellschaft nichts besseres zu tun als den jungen Fussballer zu demontieren. Aber was will man in einer skandalorientierten Medienlandschaft auch erwarten?